hard rain

März 1, 2008

Der Sturm hat den Platz, an dem sich sonst halb Wien und alle Touristen durch den Flohmarkt quetschen, erwartungsgemäß als Schlachtfeld zurückgelassen; aufgeweichte Pappkartons, einzelne Kleidungsstücke in Pfützen und irgendwelche Scherben zieren den Weg vom Parkplatz zu den Obstverkäufern. Thurston Moore und ich spazieren mitten hindurch, lassen uns die Haare ins Gesicht wehen und freuen uns an der Wolkendecke über der Innenstadt, wieder mal wissen wir nicht, dass es anderswo schon Tote gibt, bis ihm der Akku ausgeht und ich mich auf B.s Designersofa wiederfinde, in the idiot wind, wo natürlich alles beim alten geblieben ist, blowing through the curtains in your room, er hat abgenommen und sagt, er vermisse mich, und ich friere und merke plötzlich, was er erwartet und wundere mich darüber, aber ich glaub ich geh jetzt lieber, and now I’m finally free. He, sage ich zu Thurston, eigentlich könnte ich mir ja wieder Stirnfransen schneiden, dann würde ich wenigstens was sehen bei dem ganzen Wind, und er sagt, das sei ihm völlig egal, eh klar, er ist das ja gewöhnt so.

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turn, turn to the rain

Februar 29, 2008

Ein Tag, der mit einer kaputten Therme und einer wuchernden Pilzkultur auf dem Küchentisch beginnt, kann bekanntlich nur besser werden. Aber dann sitzen wir zweidreiviertel Stunden bei Kerzenlicht und zweifelhafter Musik aus der Nachbarwohnung herum und warten gespannt darauf, dass der Installateur endlich zufrieden von der Leiter steigt. Stattdessen kommen fiese kleine Blitze aus den Sicherungsknöpfen, toll. Dafür hat mir A. den Brownie mitgebracht, den ich den ganzen Nachmittag über gesucht habe, und so füllt sich die Schachtel mit unseren Süßigkeitenpönalen. Wenn wir das ein ganzes Jahr lang machen, geht sich locker eine neue Therme aus!

Die Semesterplanung, zu der ich mich halbherzig und auf den letzten Drücker aufraffe, macht wenig Spaß. Vielleicht schmeiß ich doch noch alles hin und werde ζαχαροπλαστικη (Zuckerbäckerin).

love myself again

Februar 25, 2008

… schön.

Einfach im Bett liegen und wissen, dass es schon früher Nachmittag ist und draußen gerade der Frühling die erste Schlacht des Jahres für sich entscheidet, sich dann trotzdem nochmal in den Decken vergraben und erst noch später aufstehen. Frühstücken (frühstücken!) in aller Ruhe. Dann losfahren, ohne Jacke, wegen des Etappensiegs, und sonntags frisches warmes Olivenbrot kaufen. Mit freundlichen Freundesfreunden Chili essen und mit P. bis spät abends Bier trinken. Dann heim, und sich schon wieder freuen: zwei Kilo Äpfel am Küchentisch, ein gutes Buch, frische Wäsche, neue Dylan-Covers. Keine zerbrechenden Existenzen mehr in meinem Nacken, kein Krampf. Vielleicht liegt es ja auch am Zuckerentzug, dass es mir so gut geht. Was ist das für ein Wein? – Weißwein. – Ach was! Vielleicht bin ich ja doch nicht so für die RZB geschaffen; kein Problem damit. Und die Welt hat neugierige Augen und fragt lächelnd, Bist du nur deshalb gekommen?

idiot wind

Februar 18, 2008

Schluss jetzt, es reicht. Genug von diesem unausgegorenen Konglomerat aus selbstmitleidigen Tagebuchseichtheiten und private jokes, die außer mir selbst eh keiner versteht; dass du das kannst, wissen wir mittlerweile, und wie schon gesagt, es interessiert ja doch keine Sau. Denke ich und vernichte in Nullkommanichts ein Packerl Spezialchips (spezial, weil sie A. gehört haben, der ich immer wieder aus ungezügeltem Futterneid ihre tollen Naschereien wegesse, und weil sie vom Ikea sind, und da muss man bitteschön erst mal hinkommen). Herrlich, just what I’ve been craving (spinnst du? es ist halb zwei nachts!), aber immerhin, 760 Kalorien; saubere Arbeit. Im Gegensatz zu meiner Tastatur, die sieht nämlich mittlerweile auch genau so aus. Jedenfalls hab ich nachgedacht. Der Satz Es muss einen Punkt gegeben haben, ganz am Anfang, da wir hätten nein sagen können ist, jawohl, ein zumindest sinngemäßes Zitat aus einem großartigen Film (wer mir sagt, wie ich hier einen Hyperlink reinstelle, kriegt einen Gutpunkt aufs Karmakonto), aber davon abgesehen hat er keine überdimensionale Relevanz für mein aktuelles Leben: ja, schon hätte ich nein sagen können, am Anfang, wann auch immer das gewesen sein soll, oder sonst irgendwann. Aber den Punkt verpaßt zu haben, heißt ja keineswegs, dass ich es jetzt nicht mehr kann, vielmehr, ich kann noch immer, und ich tue.

Das Wissen darum, worauf man lieber verzichtet, zeichnet auch die Umrisse dessen, was man wirklich will, klarer. Oder war es umgekehrt?

We’re idiots, babe.
It’s a wonder we can even feed ourselves.

if it feels good, you know it can’t be wrong

Februar 4, 2008

What We Did On Our Holidays oder Heyday? Ach was, beide. Beim Saturn gibt es jetzt eine CD-Abteilung mit dem Schild EMO, an der vorübergehend ich bemerke, dass es doch gut ist, aus dem Alter rauszusein, in dem es einem Kopfzerbrechen bereitet, ob die Musik, die man am liebsten hört, einen auch so cool aussehen lässt, wie man am liebsten wäre ist. Und freue mich den ganzen Abend an den neuen Puzzlesteinen. Und den Händen, die mir einen Tee kochen, weil ich krank bin, und mich streicheln, und sowieso die schönsten Hände der Welt sind, bis ich nicht umhin kann, aufzuschauen und fester Stimme zu behaupten, Alles wird gut, und er, etwas irritiert, Hey, da hab ich ein Trademark drauf.

where do we go now but nowhere

Februar 1, 2008

Sie betrachtet die Wimper auf ihrer Fingerspitze, noch ein paar Brösel Mascara daran, und fragt sich, was sie wohl trauriger finden soll, dass es so gekommen ist, oder dass es sie so gar nicht überrascht, dass es so gekommen ist, weil es nämlich so hat kommen müssen, und deshalb hat sie auch jetzt überhaupt keine Verwendung mehr für diese Scheißwimper und den ganzen abergläubischen Schwachsinn, mit dem verliebte Mädchen ihre Zeit verplempern. Es muss einen Punkt gegeben haben, ganz am Anfang, da wir hätten nein sagen können, überlegt jemand in ihrem Kopf, Irgendwie haben wir den wohl verpaßt. Soll lieber still sein, der weiß ja nicht einmal, wer er selber ist. Aber du, oder wie? Damnit. Die Wimper ist weg, der Blick bleibt wieder am Spiegelbild haften: Mascarabrösel auch hier, in der unteren Lidfalte. Eigentlich ist sie überhaupt nicht sehr traurig, wenn sie’s recht bedenkt; eher schon wütend: dass das alles gewesen sein soll, dass die so mühevoll aufgepäppelte Hoffnung so ohne weiteres zunichte gemacht wird, und so undramatisch obendrein! und dass sie nicht gleich hören, lieber dumm sein wollte. Und was hast du jetzt davon? Häh?

and nothing to get hung about

Januar 31, 2008

Gott, ich hoffe, mit diesem Vermieter gibt’s keine Probleme, murmelt L., als wir Bretter und Kisten in ihre neue Wohnung tragen. Vor der Tür steht ein verdreckter BMW, ein Mann mit weißem Bart kommt samt Autoschlüssel dahergeschlapft, um uns den Weg freizumachen: sieht mich ihm grüßend zunicken und seufzt, Schon wieder so ein verhärmtes Mädchen. Ja spinn ich. Als ob’s nicht genug wäre, dass dieser Partymann mich fünf Jahre älter geschätzt hat (Naja, wahrscheinlich wegen dem Lippenstift, windet er sich, und ich denke, dass ich mich ohne Lippenstift schon gar nicht hergetraut hätte, toll) und meine Wampe immer mehr Platz beansprucht, als man dieser Hose abverlangen kann, und überhaupt ist es, verschärft durch die der Jahreszeit gemäßen Temperatur, unverschämt früh, um mich so zu begrüßen, abgesehen natürlich davon, dass es sowieso unverschämt ist. Einen kurzen, aber heftigen Impuls unterdrückend drehe ich mich um und beschließe, zu müde zu sein, um mich aufzuregen, sei’s wegen der Übernachtigkeit von vorgestern, nun, ich bin halt auch keine 18 mehr, oder von den Büchern, die ich gestern nacht noch gewälzt habe, um mich über den Zustand von B.s Psyche ins Bild zu setzen. Trage irgendwas rein und werde informiert, dass der Weißbärtige L.s neuer Vermieter ist, zu dem sie ein gutes Verhältnis braucht. Ahja. Gute Entscheidung also, die Klappe zu halten. In der Apotheke herrscht mich ein riesiges Plakat in aggressiven Farben an, ich solle mich zum Thema Anti-Ageing beraten lassen, was wahrscheinlich bedeutet, sündteure Cremen zu kaufen und positiv zu denken, na sonst noch was, das muss bis nächstes Jahr warten, aber mindestens.

how i wanted to

Januar 26, 2008

Er dreht sich um und tut überrascht, mich zu sehen, dabei bin ich ganz vorn gestanden, nur Armeslänge von ihm entfernt, und sicher, dass er mich nicht die ganze zweite Hälfte des Sets übersehen hat. Seine neue Freundin sieht ziemlich hübsch aus und sympathisch und genauso verliebt wie er, und ich bin ihm sein Glück ehrlich vergönnt. Wir führen herzlichen Smalltalk, wie immer zugleich liebevoll und unglaublich oberflächlich, und erst am Heimweg fällt mir ein, dass ich gerade wieder eine Chance verpaßt habe to say the words that would make amends. Und das Seltsame ist, ich denke, gut, dann sind jetzt die Fronten klar, aber einerseits waren sie das schon immer, und andererseits, wer weiß, vielleicht werden sie es nie sein.

you got what you really deserved, all right

Januar 22, 2008

Verdammt, wieso muss ich eigentlich genauso funktionieren wie alle anderen auch. Das schmeckt mir gar nicht. Und bin ich nicht langsam zu alt, um sowas ernsthaft zu sagen?! Auweh.

you got what you wanted

Januar 21, 2008

Jetzt hast du, was du wolltest, und schon ist es nicht mehr, was du willst, oder auf jeden Fall nicht genug. Hast du dich also von Anfang an geirrt, oder willst du einfach prinzipiell etwas anderes als das, was du bekommst? Auf die Art wirst du nicht glücklich werden. Lieber glücklich werden oder recht haben? Das ist so wie sich entscheiden müssen zwischen geliebt und bewundert werden, zwischen Ehe und Karriere. Kann man nicht beides haben? Und wenn du dich entscheiden müßtest, jetzt ganz hypothetisch – sagt ja eh keiner, dass es so ist – worauf fiele deine Wahl?