Archive for Januar 2008

and nothing to get hung about

Januar 31, 2008

Gott, ich hoffe, mit diesem Vermieter gibt’s keine Probleme, murmelt L., als wir Bretter und Kisten in ihre neue Wohnung tragen. Vor der Tür steht ein verdreckter BMW, ein Mann mit weißem Bart kommt samt Autoschlüssel dahergeschlapft, um uns den Weg freizumachen: sieht mich ihm grüßend zunicken und seufzt, Schon wieder so ein verhärmtes Mädchen. Ja spinn ich. Als ob’s nicht genug wäre, dass dieser Partymann mich fünf Jahre älter geschätzt hat (Naja, wahrscheinlich wegen dem Lippenstift, windet er sich, und ich denke, dass ich mich ohne Lippenstift schon gar nicht hergetraut hätte, toll) und meine Wampe immer mehr Platz beansprucht, als man dieser Hose abverlangen kann, und überhaupt ist es, verschärft durch die der Jahreszeit gemäßen Temperatur, unverschämt früh, um mich so zu begrüßen, abgesehen natürlich davon, dass es sowieso unverschämt ist. Einen kurzen, aber heftigen Impuls unterdrückend drehe ich mich um und beschließe, zu müde zu sein, um mich aufzuregen, sei’s wegen der Übernachtigkeit von vorgestern, nun, ich bin halt auch keine 18 mehr, oder von den Büchern, die ich gestern nacht noch gewälzt habe, um mich über den Zustand von B.s Psyche ins Bild zu setzen. Trage irgendwas rein und werde informiert, dass der Weißbärtige L.s neuer Vermieter ist, zu dem sie ein gutes Verhältnis braucht. Ahja. Gute Entscheidung also, die Klappe zu halten. In der Apotheke herrscht mich ein riesiges Plakat in aggressiven Farben an, ich solle mich zum Thema Anti-Ageing beraten lassen, was wahrscheinlich bedeutet, sündteure Cremen zu kaufen und positiv zu denken, na sonst noch was, das muss bis nächstes Jahr warten, aber mindestens.

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how i wanted to

Januar 26, 2008

Er dreht sich um und tut überrascht, mich zu sehen, dabei bin ich ganz vorn gestanden, nur Armeslänge von ihm entfernt, und sicher, dass er mich nicht die ganze zweite Hälfte des Sets übersehen hat. Seine neue Freundin sieht ziemlich hübsch aus und sympathisch und genauso verliebt wie er, und ich bin ihm sein Glück ehrlich vergönnt. Wir führen herzlichen Smalltalk, wie immer zugleich liebevoll und unglaublich oberflächlich, und erst am Heimweg fällt mir ein, dass ich gerade wieder eine Chance verpaßt habe to say the words that would make amends. Und das Seltsame ist, ich denke, gut, dann sind jetzt die Fronten klar, aber einerseits waren sie das schon immer, und andererseits, wer weiß, vielleicht werden sie es nie sein.

you got what you really deserved, all right

Januar 22, 2008

Verdammt, wieso muss ich eigentlich genauso funktionieren wie alle anderen auch. Das schmeckt mir gar nicht. Und bin ich nicht langsam zu alt, um sowas ernsthaft zu sagen?! Auweh.

you got what you wanted

Januar 21, 2008

Jetzt hast du, was du wolltest, und schon ist es nicht mehr, was du willst, oder auf jeden Fall nicht genug. Hast du dich also von Anfang an geirrt, oder willst du einfach prinzipiell etwas anderes als das, was du bekommst? Auf die Art wirst du nicht glücklich werden. Lieber glücklich werden oder recht haben? Das ist so wie sich entscheiden müssen zwischen geliebt und bewundert werden, zwischen Ehe und Karriere. Kann man nicht beides haben? Und wenn du dich entscheiden müßtest, jetzt ganz hypothetisch – sagt ja eh keiner, dass es so ist – worauf fiele deine Wahl?

it can’t be love for there is no true love

Januar 20, 2008

„In meinem Lieblingskaffeehaus hackelst du?!“ sagt W. und grinst verschmitzt, als ich gerade die ersten Probestunden herum habe, und ich freue mich, ihn so unerwartet zu sehen und werde sofort furchtbar nervös. Fragt nach der Verliebtheit und erkennt an meinem Gesichtsausdruck, dass das nicht das richtige Thema ist. Weiß aber auch nicht, was es dann bitte sein soll. A. kann sich, sagt sie, nicht recht erklären, was ich von B. will, und vermutet, ich würde nur nach einer self-fulfilling prophecy suchen. Ich bräuchte es nachgerade, mich in den Falschen zu verlieben, um nachher sagen zu können, ich hätte ja gleich gewußt, dass die romantische Liebe ein Mythos sei. Und was dann, was nun?

I smell sex and candy, summe ich und schwinge mich, Föhn sei dank, wieder aufs Rad. Das hilft ein bißchen.

let the good things come

Januar 7, 2008

Die Küche geputzt, die Wäsche aufgehängt, den Dauerauftrag gemacht, bei fast allen Verabredungen pünktlich gewesen, dem R. gekündigt, endlich eine Idee für ein Bild, ein oder zwei hochspannende Künstler entdeckt, Tischfußball gespielt, im Morgengrauen heimgekehrt, und der Kater schnurrt. Peanuts, aber immerhin.

the body breaks

Januar 4, 2008

Mehr Arbeit, aber bis zum Geld wird es weiterhin dauern. Noch immer zuwenig Schlaf.

Zum ersten Mal, und dann leider nur so kurz, an die romantische Liebe zu glauben geschafft. Klar, dass das Runterkommen dann bitter schmeckt.

Vielleicht würde mir etwas weniger Introspektion gut tun, noch dazu in solcher Öffentlichkeit.

Das Leben wird mit jedem Jahr, das ich älter werde, schwerer. Geht es den anderen auch so?

Confusing yourself is a way to stay honest (aus Jenny Holzers Truisms) – gut, ehrlich bin ich, dafür nimmt meine Verwirrung bedrohliche Ausmaße an. Und die Dinge des täglichen Lebens, die einfach getan werden müssen, scheinen immer schwieriger, fast unmöglich.

Alles, was ich zu mir nehme, macht mich noch träger, noch unbeweglicher, und was mir fehlt, das weiß ich eigentlich nicht. Eher zu voll als zu leer, aber keine Fülle, aus der man schöpfen könnte.

Wir werden das jetzt auf eine andere Art versuchen. Wenn schon schreiben, dann über was anderes als die ewiggleiche Herzscheiße. Das interessiert doch keinen Menschen, und ich hab im Endeffekt auch nichts davon. Wir beginnen damit, sobald es nicht mehr so wehtut, den Rücken gerade zu halten.