Archive for November 2007

dance like nobody’s watching

November 25, 2007

… love like you’ve never been hurt.

Alles schön, alles funktioniert, und wie immer ist es auch sonst kein Problem, die Tage zu füllen, und anyhow ist es nur ein verdammtes Wochenende, Mädel! Aber alle nächtlichen Heimwege führen durch seine Straße, jedes Lied, selbst wenn ich es gerade zum ersten Mal höre, erinnert mich an ihn, jedes Kleidungsstück wird auf seinen Geschmack hin geprüft und alles ist Vermissen. Ich bin im Kostümchen durch den ersten Schnee gestapft, habe mit einem Zuhälter mit verschlagenem Blick an einem Tisch gesessen und mich am Flughafen ausrufen lassen, und was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass die Luft kühl war und es dunkelte, und ruhig floß der Rhein.

Und ich liebe ihn im Businessanzug, ich liebe ihn morgens mit Mundgeruch und Augenringen, ich liebe ihn, wenn er dumme Witze reißt und ich liebe ihn, wenn ich einen Blick von ihm auffange, dessen Tiefe einem fast Angst machen muss. Jetzt ist er weg und alle Männer verschmelzen zu einem Mann, alle Musik zu einer sehnsuchtsvollen Melodie, und mein Chaos liegt bleiern und wartend auf mir.  Noch zweimal schlafen, aber das sagt sich auch nur so einfach.

head and heart

November 10, 2007

Irgendwann liegt sie wieder quer auf dem Bett, raucht eine Zigarette und starrt schweigend an die Decke. Warum fühlt man manche Dinge so deutlich im Herzen, dass es wehtut, fragt sie sich, wo doch die Metapher, die das Herz ist, nur aus Einbildung und Sozialisation besteht? Denn schließlich gab es auch Zeiten, da man das Herz, also im übertragenen Sinne, eben den Sitz der Gefühle, im Kopf angesiedelt hatte, oder war das etwa anders, achja, mein Gedächtnis; war es nicht doch die Intelligenz im Herzen statt im Kopf… Man darf nicht aufhören zu sprechen und zu lachen, denkt sie dann, denn wenn man zu lange nebeneinander schweigt, liegt man irgendwann so da und starrt an die Decke und denkt völlig anlasslos, dass einem im Grunde eine tiefe Traurigkeit innewohnt, die mehr selbstverständlich ist als schlimm und die auch ohne Erklärung auskommt. Und dann irgendwann kommt er zu ihr und küßt sie trotz der Zigarette und strahlt sie trotz des unerklärten Blicks an, und sie riecht an seinem Hals und fragt sich, was wohl die Menschen machen, denen es nie im Herzen wehtut vor Glück, wenn sie so angeschaut werden, und überlegt im nächsten Moment noch kurz, warum sie sich selbst rhetorische Fragen stellt, und dann schiebt sie mit einer entschiedenen Geste all diese blöden Gedanken zur Seite und

birthday girl

November 10, 2007

Diesen Eintrag hab ich wohl verpasst. Es war so unwichtig heuer, und das war eigentlich auch ganz gut so.

herbsttag

November 4, 2007

Die Erlauf ist trotz des trüben Wetters unwahrscheinlich türkis und fließt mitten in eine herbstlich farbenfrohe Landschaft hinein, der man sofort all die Rittersagen aus der eigenen Kindheit und die Nibelungen-Nebenhandlungen aus der Tourismuswerbung abnimmt. Ein paar Minuten weiter taucht der große Schornstein auf, das Wahrzeichen des Dorfes, das das Ziel unserer Reise ist, und schon steht man inmitten des alten Fabriksgeländes: schlendernden Schrittes durchquert man die Gänge, grüßt die beiden jungen Mütter an ihren Kinderwägen und versucht, das beklemmende Gefühl, das einen an diesem Ort stets überkommt, abzuschütteln. Dabei ist nicht einmal ganz klar, ob es daher rührt, dass es eine alte Fabrik ist, und von dem wenigen Wissen, welches eigentlich auch mehr aus Mutmaßungen besteht, über das Leben darin und damit, oder daher, dass sie aufgelassen ist und seitdem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint (bis auf die häßlichen Neubauten, die irgendjemand hierher zu pflanzen für eine gute Idee hielt). Jetzt die Garage, jetzt das Kaufhaus, und hier war früher die Trafik: ein paar Kinder machen Lärm, sonst ist niemand auf den Straßen an diesem Novembersonntag in der Provinz.

oh, that was so real

November 1, 2007

Gastritis, sagt der Arzt, verschreibt mir Tabletten und verbietet mir Wein und Süßigkeiten. Dann schlafe ich erstmal zwölf, 13 Stunden durch, ehe ich aufstehe und überlege, was sich ändern muss. Du frißt zuviel in dich rein, soviel ist mal klar (ich brauche einen neuen Job, und zwar bald), und vielleicht auch, dass du zuwenig von dir hergibst. Dann erzähle ich A., was ich vermisse und warum die Tage immer zu kurz sind, und während ich weiter vor mich hin plappere, frage ich mich zum wiederholten Male, ob ich nicht doch auch einen Therapeuten aufsuchen sollte. Disziplin ist ein Thema, weil ich mir davon Ordnung verspreche, und anderes, wovon aber eigentlich niemand zu wissen braucht. Das mache mir lieber allein mit meiner Magenschleimhaut aus.

Soll ich mich von ihm trennen? fragt K., an den Türrahmen gelehnt, und muss selber lachen dabei. Denn, so meint sie, er hätte ihr nicht gefehlt in ihrem Leben und es sei schließlich auch so schon alles kompliziert genug. Und was sie ihm sei, das wisse sie, aber nicht, was er ihr, und auch nicht, ob es das wert sei. Und in Wirklichkeit, mault sie weiter, fehle ihr nur der Kaffee, aber der wird ihr ja aus fadenscheinigen Gründen vorenthalten.