Archive for Oktober 2007

soul food

Oktober 30, 2007

Was ist denn los, Kind, dass du dir am Heimweg zwei Stück Torte kaufst, obwohl es ein so schöner herbstlicher Spätnachmittag ist und der, von dem du gerade aufgebrochen bist, dich so anlächeln kann, dass alles gut wird, ja werden muss, denn wenn du bei diesem Strahlen weich wirst, dann muss es das Schicksal erst recht werden. Aber es wird nicht reichen, hast du gedacht, als du, die Arme hinterm Kopf verschränkt, auf seinem Sofa gelegen bist und den von Wolkenfetzen umschwadeten Mond angeschaut hast, immer nur davon zu reden: von der Liebe, von der Kunst, von der Arbeit. Er soll aufhören zu reden, er soll es machen, und halt den Mund, wer bist du, ihn zu kritisieren: wie lang ist es her, dass du ein Bild gemalt hast, und wie kommst du dazu, ihm jetzt vorzuwerfen, worin du im vollen Bewußtsein der zu erwartenden Schwierigkeiten eingewilligt hast. Soul food. So sagen sie zu diesem ganzen süßen cremigen Scheiß, der so tröstlich schmeckt, dass er die Seele streichelt. Aber die Folge kann wieder nur sein, dass dein Bauch zu voll ist und dein Kopf zu leer, und dann bist du wieder nicht zufrieden. Mit G. einige ich mich auf die Formel „Sex, aber Kopf“: Beistrich, aber Punkt, das ist das Denkmuster, mit dem man sich, wenn man will, ewig im Kreis drehen und alles verkomplizieren kann. Ich frage mich, ob ich jemals an einen Punkt kommen werde, ohne Beistrich und aber, an die schlichteste aller Satzkonstruktionen: Subjekt, Prädikat, Objekt, und alles ist gesagt, ohne trotz und obwohl. Im Ungarischen ist es dann, habe ich mir sagen lassen, ein einziges Wort.

in the still of the night

Oktober 23, 2007

Ich habe merkwürdige Träume in letzter Zeit. Wobei, ich bin nicht ganz sicher, ob die Bilder, die einen umkreisen, während man in diesem Niemandsland zwischen Wachen und Schlafen unterwegs ist, schon als Träume gelten, denn man beobachtet sie ja, man kann noch sagen, halt, was soll das, so geht’s aber nicht, wenn es einem zu dumm wird, und sich umdrehen, die Decke unters Kinn ziehen und beschließen, etwas anderes zu träumen, ehe das Bett tatsächlich hintüber kippt und einen in die wohlverdiente Nachtruhe entläßt. Man kippt nämlich, falls ihr das noch nicht bemerkt habt, in den Schlaf: erst beginnt sich die Matratze sanft zu bewegen und die Decke verliert ihre Schwere, dann heben sich die Füße und die Wand am Kopfende des Bettes gibt nach, sodass man kopfüber eintaucht ins Spiegelland. Aber bevor das passiert, kann man noch Träume träumen, in denen man mitmischen darf. Interaktiv sozusagen.

Und in so einem Moment hat sich plötzlich die Tür geöffnet. Ich hatte sie notdürftig verbarrikadiert, so ganz hatte das Schloss nicht mehr einrasten wollen, aber die Konstruktion hatte doch einen fürs erste recht haltbaren Eindruck gemacht. Wackersteine davorgeschoben und so. Und da spüre ich plötzlich, wie sie aufgeht, und die dämlichen Wackersteine, was glaubt ihr, warum ihr da liegt, zur Hölle! geben nach wie Kiesel und ohne dass mir etwas Sinnvolles einfällt, was ich dagegen tun kann, drängt schon der erste Schwall von Blut durch den Türspalt. Naja, Schwall. Ein Schwällchen, ein kleiner Erguss; seien wir ehrlich, es hätte schlimmer sein können, aber das Blut, das da kam, das war unaufhaltsam, das hatte sich bereits so sehr angestaut, dass da nichts mehr zu machen war. Und irgendwie war es dann auch gut, denn nach der frischen Luft, an die es geriet, hatte es sich offenbar schon eine Weile gesehnt.

Sagen kann ich es noch nicht, aber – er hat recht. Er hat es, das Gesicht an meinem Bauch, gleich gewusst, ungläubig geschaut, gestrahlt: Du bist nicht einfach verknallt. Du liebst mich!

Mit einem Brustkorb voll Blut bin ich dann wohl eingeschlafen.